Kinder lassen sich nicht stapeln

Vor Kurzem besuchten Jonas Hoffmann, Landtagsabgeordneter für den Landkreis Lörrach, Steinens Bürgermeister Gunther Braun und die SPD-Gemeinderatsmitglieder Rudolf Steck und Almut Steyer die Köchlin-KiTa in Steinen. Klar wurde: in Zeiten des Fachkräftemangels dürfen Verwaltungsaufgaben nicht die Betreuung beeinträchtigen.

In vielen Kindertageseinrichtungen ächzen pädagogische Fachkräfte über den Verwaltungsaufwand: Dokumentationen, Berichte, Konzepte – das kostet Zeit. Das wird auch beim Gespräch in der Köchlin-KiTa schnell klar. Wie viele andere Bildungseinrichtungen hat auch sie damit zu kämpfen, genug Personal zu finden. Der Bedarf an Plätzen in der Region ist hoch. Als Folge musste auch die Köchlin-KiTa, die 90 Kinder in fünf Gruppen betreut, schon Öffnungszeiten anpassen und Gruppen vergrößern.

Ideen zur Entlastung gibt es einige. Die grün-schwarze Landesregierung setzt zum Beispiel auf den Einsatz von Assistenzkräften. Diese können zwar punktuell entlasten, aber einen Teil des Aufgabenspektrums von Erzieher*innen nicht wahrnehmen. Dazu zählen auch Dokumentation, Entwicklungsgespräche und familiäre Beratung.

Verwaltungsaufgaben sind es aber, die oft belasten. Darunter leidet die Zeit am Kind. Hier braucht es pragmatische Prioritäten. Oder wie es eine Fachkraft ausdrückt: „Papier kann man auf dem Schreibtisch stapeln – Kinder nicht.“

Für Entlastung könnten, so ist man in Steinen einig, Kleinigkeiten beitragen: Kürzere Wartezeiten und mehr Flexibilität bei Anträgen, die KiTas an den Kommunalverband für Jugend und Familie (KVJS) des Landes stellt. Mehr standardisierte Konzepte, die keine individuellen Formulierungen bis ins Detail benötigen. Das gewinnt Zeit für die Begleitung der Kinder.  

Mit den Herausforderungen steht die KiTa nicht alleine dar. Im ganzen Land gibt es vergleichbare Anliegen. Das ist mit ein Grund, warum die SPD im Juli einen KiTa-Gipfel im Landtag veranstaltet hat, um mit KiTa-Trägern, -leitungen, Erziehenden und Eltern Lösungsansätze zu diskutieren.

Jonas Hoffmann bilanziert: „Ein KiTa-Platz für jedes Kind und ein guter Arbeitsplatz für jede Erzieherin und jeden Erzieher muss das politische Ziel sein. Die Realität ist aber weit entfernt von diesem Ziel. Die Kompromisse müssen Eltern und Personal täglich ausgleichen. Hier muss zügig von der grün-schwarzen Landesregierung Abhilfe geschaffen werden.“

Ein Hebel wäre, wenn die Landesregierung – wie von der SPD gefordert – die Kosten für Kindertageseinrichtungen übernehmen würde. Auf kostenfreie KiTas setzt auch die örtliche SPD-Fraktion um Rudolf Steck und Almut Steyer. Dies würde Familien, speziell solche mit geringen Einkommen, erheblich entlasten.

Bürgermeister Braun betont: „Aus Sicht der Gemeinde benötigen wir wesentlich massivere, wenn nicht gar eine hundertprozentige Kostenbeteiligung des Landes zur Entwicklung der künftigen Generationen in Kitas und Schulen, um der gemeinsamen Verantwortung chancengleich gerecht zu werden.“

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Foto (v.l.n.r.): Rudolf Steck (Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat), Jonas Hoffmann MdL, Bürgermeister Gunther Braun, Almut Steyer (SPD-Gemeinderätin)

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