Schulsozialarbeit ist Dauerthema in Gemeinderäten und dem Kreistag in der Region. Bisher wird sie theoretisch zu je einem Drittel von Land, Kommune und Landkreis finanziert. SPD-Landtagsabgeordneter Jonas Hoffmann kritisiert, dass das Land seinen Anteil verringern will.
2012 hat die SPD federführend die Landesförderung von Schulsozialarbeit mit 16.700 Euro pro Vollzeitstelle und Schuljahr eingeführt. Das hat dazu geführt, dass inzwischen an sehr vielen Schulen Sozialarbeiter*innen für junge Menschen da sind. Der Förderbetrag für die 2012 zugesagte Drittel-Finanzierung wurde aber trotz großem Anstieg der Gehälter in 13 Jahren Regierung von CDU und Grünen nicht erhöht. Wegen knapper kommunaler Kassen ist Schulsozialarbeit deshalb Dauerthema in Gemeinderäten.
Jetzt plant das Landessozialministerium unter Minister Lucha künftig nur noch im Schnitt bis zu 0,6 Vollzeitkräfte pro Schule zu finanzieren – unabhängig von Größe, Standort oder Art der Schule. Nach starker Kritik, vor allem aus der SPD und den Kommunen, soll die Änderung erst für 2026/2027 und nicht schon für das neue Schuljahr gelten. Das ändert aber nichts daran, dass damit das bisherige Niveau in der Schulsozialarbeit massiv gefährdet wird. „Besonders Kommunen mit großen Herausforderungen an ihren Schulen lässt die Landesregierung im Regen stehen“, erklärt Jonas Hoffmann.
Im Landkreis Lörrach sind das Diakonische Werk, der Caritasverband, der Soziale Arbeitskreis Lörrach e.V. (SAK), der CVJM Lörrach und die Dieter-Kaltenbach-Stiftung Träger der Schulsozialarbeit. Im Namen der Träger stellt Karin Racke, Geschäftsführerin der Diakonie, fest: „Wir begrüßen eine Stärkung dieses wichtigen und gut erreichbaren Jugendhilfeangebotes an den Schulen des Landes. Lange haben wir gefordert, dass im Zuge des notwendigen Ausbaus Kriterien für Qualität und Verteilung der benötigten Stellendeputate festgelegt werden. Und auch, dass das Land einen angemessenen Beitrag zur Finanzierung der Stellen in der Schulsozialarbeit leistet.“
„Ersteres ist im Landkreis Lörrach mit einem beteiligungsorientierten Prozess gelungen. Dadurch gibt es Klarheit über die Menge an Schulsozialarbeit. Und anhand eines sozialindexbasierten Systems wird eine möglichst gerechte Verteilung im Landkreis angestrebt“, so Racke.
Weiter erklärt sie stellvertretend für die Träger der Schulsozialarbeit in der Region: „Der Zugang für Schüler*innen zu Schulsozialarbeit sollte aus unserer Sicht nicht vom Wohnort, beziehungsweise Schulort abhängen. Für die Träger ist es unerlässlich, dass die Rahmenbedingungen im Dreiklang Land-Landkreis-Kommune so gestaltet sind, dass ein kostendeckendes Arbeiten möglich ist.“
Einen Bestandsschutz für die Förderung von Stellen, die über einen Stellenanteil von 0,6 hinausgehen, gibt es nach Plänen des Ministeriums nur auf Antrag und nach Prüfung – und wenn das Geld dafür vorhanden ist. „Das schafft Unsicherheit für Schulen, Fachkräfte und in den Kommunen“, so Hoffmann. Er ist überzeugt, dass es Schulsozialarbeit für Prävention und Chancengleichheit braucht. Deshalb sei auch mehr – nicht weniger – Engagement von Landesseite nötig.
Hoffmann: „Anstatt sich rauszuziehen, müsste die Landesregierung, rational gesehen, genau das Gegenteil tun: Die Landesförderung für Schulsozialarbeit muss in ausreichender Höhe, dauerhaft und verlässlich sichergestellt werden.“
Für die Träger der Schulsozialarbeit im Kreis ist „flächendeckende Schulsozialarbeit ein wichtiges Instrument, um junge Menschen frühzeitig zu erreichen, Teilhabe zu ermöglichen und Lösungsstrategien im sozialen Miteinander zu trainieren. Soft skills, die im beruflichen Leben von allen Schülerinnen und Schülern gefordert werden.“
Auch deshalb fordert Hoffmann: „Ich bin überzeugt, dass das Land – wie bei den Lehrkräften – Stellen für Schulsozialarbeit und IT-Administration an Schulen voll finanzieren müsste. Ein sinnvolleres Investment in die Zukunft unseres Landes lässt sich kaum finden.“
