Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) der Zahnärzte lud die Kandidaten der Grünen und FDP zu einem Vor-Ort-Termin ein um „Befürwortern der Bürgerversicherung den Zahn zu ziehen“. (Siehe Anhang). Eine Anfrage an die SPD gab es nicht. Dass die CDU nicht anwesend war, ist auch nicht weiter verwunderlich, da diese in der letzten Legislaturperiode stets für die Beibehaltung des Status Quo gekämpft hat.

Hier ist offensichtlich, wie auch bei uns im Kreis Lobbyarbeit gegen Reformen gemacht wird, die das Ziel haben, die gesundheitliche Versorgung für alle zu verbessern und nicht nur für Privatpatienten. Es wird ohne Fakten Angst geschürt, dass durch eine Umgestaltung der Finanzierung die Ärzte in der Region ihre Praxen schließen würden.

Hierbei werden folgende Sachverhalte nicht berücksichtigt oder falsch dargestellt:

  1. Die hohe Anzahl der Privatpatienten hier in der Region und dadurch auch die attraktivere Vergütung, lösen nicht die Probleme des Ärztenachwuchses.
  2. Der Ansatz der Bürgerversicherung hat das Ziel die Kosten von Gesundheit sozial gerecht auf alle Bürger zu verteilen und eine gute gesundheitliche Versorgung, auch im Zahnbereich, nicht nur zahlungskräftigen Bürgern zu ermöglichen. Zudem soll sie Ärzten, Pflegern und Arzthelferinnen und Arzthelfern ein attraktives Gehalt ermöglichen.
  3. Es ist nicht gerecht, dass ein 32 jähriger Angestellter mit 2800€ Brutto 470€ monatlich in die gesetzliche Krankenkassen zu zahlen hat und ein Besserverdiener mit 7000€ Brutto nur ca. 220€ in die Privatversicherung zahlen muss und zusätzliche eine bessere Versorgung erhält.
  4. Die wahren Probleme werden in diesem Bericht verkannt. Junge Ärzte haben ganz andere Erwartungen an ihre Arbeit, wie es noch vor 15 Jahren der Fall war, wie z.B. Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit und Flexibilität der Lebensgestaltung. Hier muss die KV ansetzen, die laut Gesetz für die „Sicherstellungder flächendeckenden ambulanten ärztlichen, psychotherapeutischen und zahnärztlichen Versorgung“ (§ 73 Absatz 2 SGB V) verantwortlich ist und ihre Strukturen reformieren um ihre Aufgabe wieder besser erfüllen zu können.

Wenn wir in Zukunft unsere ärztliche Versorgung sicherstellen wollen, im ländlichen wie im städtischen Raum, müssen wir den Generationswechsel proaktiv angehen (das Durchschnittsalter der Hausärzte im Kreis liegt über 57 Jahre und über 40% werden in den nächsten Jahren in Rente gehen) und die Bedingungen für junge Ärzte attraktiv gestalten.

Wir brauchen mehr Solidarität im Gesundheitssystem, das alle Generationen mit dem versorgt, was sie brauchen, sowie mehr Flexibilität und effizientere Prozesse. Hierfür müssen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärzte und Politiker gemeinsam engagieren. Anstatt für den Erhalt von Ungerechtigkeit mit Angstmache zu kämpfen, sollten die Möglichkeiten der Digitalisierung, sowie neuer Arbeitszeitmodelle analysiert und realisiert werden. „Angst ist ein schlechter Ratgeber“ gilt auch in diesem Fall.

http://www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.steinen-nichts-wuerde-besser.c0cda2b8-38cc-4a9a-91cc-1c9740888ba8.html