Seit fast 20 Jahren gibt es sogenannte Demenz-Wohngemeinschaften im Landkreis Lörrach. Dort leben an Demenz erkrankte Menschen zusammen, teilen Leben, Gemeinschaftsräume und Pflegekosten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Hoffmann war zu Besuch und hat sich das Modell von Initiatorin Juliane Heyn-Best erklären lassen.
Bei dementiell Erkrankten kommen mehrere Herausforderungen zusammen: Zur emotionalen Belastung durch die Erkrankung für Betroffene und ihr Umfeld kommen ganz praktische Fragen. Ist Unterstützung oder Pflege nötig? Was ist eine passende Wohnform? Oft können Erkrankte nicht auf Dauer im gewohnten Umfeld bleiben. Pflegeheime sind für viele oft ebenfalls nicht der passende Ort.
Aus Betroffenheit im familiären Umfeld hat sich auch Juliane Heyn-Best mit diesen Fragen beschäftigt. Mit anderen hat sie 2001 die Alzheimerinitiative Dreiländereck gegründet. 2007 entstand die erste sogenannte Demenz-WG im Landkreis Lörrach. Inzwischen gibt es davon vier in der Region. Der Bedarf ist noch viel größer, die Warteliste lang. Die Anfragenden wünschen sich eine wohnortnahe Wohngemeinschaft.
Beim Besuch der Villa Eckert, der ältesten der vier Demenz-WGs fallen die breiten Gänge auf, die die WG in Form einer Acht strukturieren. Außen liegen die privaten Zimmer der zwölf Bewohnenden. Innen befinden sich Arbeitsräume. Das Zentrum bilden Küche und Wohnzimmer mit großem Gemeinschaftstisch. Neben Nischen mit Sitzmöglichkeiten gibt es auch einen großen gemeinsamen Außenbereich mit Garten, den man sich mit der Nachbar-WG teilt. Alle Räume sind barrierefrei.
Unterschiede zu einem Pflegeheim sind offensichtlich: Zwei Bewohnerinnen haben sich untergehakt und spazieren gemeinsam durch die Gänge, zwei weitere sind im Garten unterwegs. Eine Gruppe macht mit einer Fachkraft Sitzgymnastik, zur Mittagszeit findet sich die Mehrheit am Mittagstisch wieder.
Im Februar hat der Landtag ein Gesetz für Pflege- und Teilhabequalität (TPQG) beschlossen. Dieses soll die Gründung von Wohnformen wie Demenz-WGs erleichtern. Die SPD unterstützt das, kritisiert aber auch, dass das Gesetz auch unseriösen Anbietern die Tür öffnet. Hoffmann fordert: „Die Qualität von Pflege muss sichergestellt sein. Deshalb braucht es weiterhin eine staatliche Kontrolle von Pflegeangeboten.“ Hier muss in der neuen Legislatur nachjustiert werden.
Juliane Heyn-Best ist gespannt auf die Auswirkungen des Gesetzes, zeigt sich aber auch abgeklärt: „Wir haben viele Jahre für diese Wohngemeinschaften gekämpft. Dass sie ein Erfolgsmodell sind, von dem Erkrankte, Angehörige und auch die Pflegenden profitieren, zeigt die starke Nachfrage. Wir haben genug Interessierte für weitere WGs.“
Und Jonas Hoffmann lobt: „Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Wo Wohnraum knapp ist, ist es auch schwierig, eine passende Wohnform für besondere Bedarfe zu finden. Die Alzheimerinitiative Dreiländereck und ihre Partner machen genau das für an Demenz erkrankte Menschen möglich. Von dem Mut und der Beharrlichkeit der Initiatorinnen brauchen wir wieder mehr im Land.“
Infokasten:
Immer wieder werden in den Demenz-WGs kleine Anschaffungen benötigt, die nicht über Pflege- oder Krankenkasse finanziert werden können. Die Alzheimerinitiative Dreiländereck freut sich über jede Unterstützung.
Spendenkonto: DE77 6835 1865 0107 8200 29
