Wie Politik Frauen stärken kann, diskutierten kürzlich rund 40 Frauen und einige Männer in Schopfheim. Auf Einladung von Martina Hinrichs, Zweitkandidatin der SPD für die Landtagswahl im Wahlkreis Lörrach, berichteten vier Referentinnen von ihren Erfahrungen im Zusammenhang mit Integration, ehrenamtlichem und kommunalpolitischem Engagement sowie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Was die Frauen bewegen und bewegt war Grundlage der anschließenden Diskussion.
Dorothea Kliche-Behnke ist sozialpolitische Sprecherin der SPD im Landtag und Mutter von drei Kindern. Sie stellte fest, dass Altersarmut weiblich ist und, weil die Pflege von Angehörigen und Kinderbetreuung weit überwiegend von Frauen getragen wird, die 50.000 in Baden-Württemberg fehlenden Kitaplätze vor allem zu Lasten von Frauen gehe. Die Möglichkeit zu arbeiten sei dadurch stark eingeschränkt, eine echte Wahlfreiheit nicht gegeben. Kliche-Behnke erklärte: „Mit gebührenfreien Kitas und der Einführung eines Gehalts für Pflegende haben wir als SPD zwei dicke Pfunde zur Stärkung von Frauen im Wahlprogramm.“
Olga Yasakova hat ebenfalls zwei Kinder, mit denen sie 2022 vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland flüchtete. Sie berichtete, wie schwer es ohne soziales Umfeld und verlässliche Kinderbetreuung sei, eine Arbeit aufzunehmen. Auch bürokratische Hürden, etwa bei der Anerkennung ihres Studiums, würden ein Ankommen erschweren. Inzwischen arbeitet die Ukrainerin für die Caritas. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung für Mütter und Pflegende. Yasakova: „Es wird von Gesellschaft und Politik oft unterschätzt, wie schwer Care Arbeit ist.“
Schon sehr lange macht sich Irmtraud Strohmeier ehrenamtlich für Frauen stark. Seit fast zwei Jahrzehnten ist sie Vorsitzende der LandFrauen Oberes Wiesental, die Frauen im ländlichen Raum vernetzen, fördern und weiterbilden. Als Mutter und Großmutter ist für sie gegenseitiges Verständnis von Frauen für Frauen ein Anliegen: „Ich wünsche mir, dass Frauen auf dem Land und Frauen in der Stadt besser übereinander denken und reden.“ Oft hätten Frauen trotz unterschiedlicher Lebenssphäre mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Politisch könnte eine bessere Mobilität die Menschen im ländlichen Raum stärken, ist Strohmeier überzeugt. Das würde auch junge Frauen auf dem Land unterstützen.
Teresa Bühler hat zwei kleine Kinder, einen 70%-Job und ist Gemeinderätin. Mit ihrem Partner, der 80% arbeitet, Großeltern und Kita wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf organisiert. Bühler bemängelt, dass das deutsche Steuersystem zu oft noch traditionelle Rollenbilder verfestige und Familien damit keine echte Wahlfreiheit biete: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf kein Privileg und nicht von Wohnort, Arbeitgeber oder Einkommen abhängig sein!“ Deshalb unterstütze sie die Forderung nach gebührenfreien Kitas. Dadurch werde auch das Dilemma aufgelöst, dass Frauen oft keine Arbeit aufnehmen, weil erst die Kinderbetreuung finanziert werden muss. Fallen die Gebühren weg, lohne sich Arbeit ab der ersten Stunde.
Mit Blick darauf, dass Baden-Württemberg das Bundesland mit den wenigsten Männern in Teilzeit ist, appellierte Bühler in der anschließenden Diskussion: „Teilzeit ist kein Mangel oder Makel, sondern sollte als Stärke angesehen werden. Teilzeitarbeitende lernen wichtige Kompetenzen wie Fokussierung und Priorisierung. Das sollte mehr anerkannt werden.“ Außerdem erklärte sie, dass es mehr Frauen in der Politik brauche: „Frauen machen andere Politik als Männer, weil sie andere Lebensrealitäten haben und so andere Schwerpunkte setzen.“
Vielfach wurde in der offenen Diskussion zum Ende der Veranstaltung auch die Forderung laut, Kommunen zu stärken, um Frauen mehr Gestaltungsräume zu ermöglichen. Dem pflichtete auch Jessica Lang, Bürgermeisterin in Maulburg, bei. Mit einem Schmunzeln schloss Dorothea Kliche-Behnke, dass auf dem Weg zu mehr geteilter Verantwortung bei Care Arbeit und Erwerbstätigkeit zwischen den Geschlechtern manchmal auch Vertrauen und Zutrauen wichtig seien. Beim anschließenden Apéro wurde dann die Gelegenheit zum Austausch rege genutzt.
